Traumschiffkapitän Sascha Hehn
von Volker Hartmann
Primärquelle: Zuerst!

Sascha Hehn war 1983 für mehrere Monate Gebirgsjäger bei der Bundewehr
Wer hätte das gedacht? Der smarte Frauenschwarm mit Rüpelqualitäten soll jetzt der Deutschen liebstes Kreuzfahrtschiff über die sieben Weltmeere steuern. Vor 23 Jahren heuerte der junge Sascha Hehn als „Steward Victor" an, wurde nach sechs Jahren zum „Offizier Victor Burger" befördert und erklimmt nun - nach einer langen Schaffenspause - die Brücke der „Deutschland", die für das ZDF und Millionen von Zuschauern schlichtweg „Das Traumschiff' ist.

Sascha Hehn als „Steward Victor"
Als vierter Kapitän nach Günter König, Heinz Weiss und dem jetzt 81jährigen Siegfried Rauch steht er seit Neujahr am Ruder; die erste Reise führt von Perth in Westaustralien durch den Indischen Ozean Richtung Mauritius.
Dabei legt der inzwischen 59jährige großen Wert auf Heimatverbundenheit. Bei Wasserburg am Inn bewohnt er zusammen mit seiner Lebensgefährtin ein Blockhaus. In Zeitschrifteninterviews erzählt er stolz von der Renaturierung eines Bachlaufs auf seinem Grundstück. „Ich lebe lieber zurückgezogen in der Natur. Um zu entspannen, arbeite ich viel im Garten", verriet der blonde Naturbursche kürzlich der B.Z. Um sich diesen entspannten Lebenswandel leisten zu können, setzte der beliebte Mime von Anfang an auf „Kommerz". Die Schauspielerei war für ihn immer nur ein Job, den er möglichst gut machen wollte. Daher hatte er auch nie Bauchschmerzen, wenn er auf peinliche Auftritte in 70er-Jahre-Streifen wie Schulmädchen-Report, Hausfrauen-Report oder Mädchen beim Frauenarzt angesprochen wurde.
Spätestens seit seinem Einstieg beim Traumschiff 1981 avancierte der blonde Mädchen- und Hausfrauenschwarm zur Fernseh-Ikone. Im Schlepptau dreier Kapitäne verkörperte Hehn zehn Jahre lang immer denselben Typus: jung, frech, charmant, erfolgreich - und immer für eine Überraschung gut. So verabschiedete er sich 1991 mit einem kühnen Kopfsprung vom Achterdeck - für den er sich nicht doubeln ließ.
Auch hinter den Kulissen gab der Jungschauspieler gerne Contra, etwa, wenn ihm die Drehbucheinfälle des greisen Wolfgang Rademann zu schablonenartig erschienen. So erfolgte sein Abschied 1991 auch in einer Form, die man im Berufsleben „im gegenseitigen Einvernehmen" bezeichnen würde.

Sascha Hehn in der "Schwarzwaldklinik"
Was er an Bord des Traumschiffs vollführte, setzte Hehn auf heimatlichem Boden gerne fort: Die Bild listete penibel neun Frauen auf, die der Fernsehstar im Laufe seiner Karriere zu zeitweiligen Gefährtinnen erkoren hatte. Zur Ruhe kam er erst mit der 27 Jahre jüngeren Mathematikerin Linda, die er kennenlernte, als sie gerade 20 war -zwischen den Dreharbeiten zu Fremde Frauen küßt man nicht und Liebe auf Mallorca 3. Doch auch sie kann den Casanova angeblich nicht zähmen. Im SZ-Interview stellt Hehn klar: „Der Patriarch sitzt immer noch hier!" Was das bedeuten soll, werden wohl nur seine engsten Freunde wissen, von denen Hehn wenige hat. Doch dieser Spruch läßt tief blicken: Denn der neue Kapitän der „Deutschland" mag in seiner weißen Gala-Uniform und seinem Strahlemann-Lächeln wie ein Blender wirken, aber hinter der Sunnyboy-Fassade steckt mehr: Ähnlich wie in seinem Vater Albert Hehn steckt auch im Sohnemann ein Abenteurer.

Albert Hehn als Wehrmachtsoffizier
Hehn senior (1908-1983) kam über Umwege zu Bühne und Film, denn zuerst betätigte er sich als Missionar in Mittelamerika. Nachdem er dort in Nothilfe einen Einheimischen erschlagen hatte, kehrte er nach Deutschland zurück und wurde dort Schauspieler -so in Kameraden auf See (1938), Sensationsprozeß Casilla (1939), Jungens (1941) oder Familie Buchholz (1944), aber auch noch nach 1945 mehrfach als Wehrmachtoffizier. Von seinen fünf Ehefrauen war die vierte eine „Miss Bayern", die Mutter von Alexander alias Sascha, dem der Vater eine autoritäre Erziehung angedeihen ließ.
Gutaussehend, charmant und mannhaft - diese Attribute, die er in seinen Rollen und auch privat besaß, erbte der junge Alexander, genannt Sascha, vom Vater. Der Junior, der bereits mit fünf Jahren sein Debüt in Hubertusjagd gab, ist begeisterter Angler und Jäger und gab dem SZ-Magazin zu Protokoll, daß er sich durchaus vorstellen kann, auf Menschen zu schießen, sollte das notwendig sein: „Ich bin Jäger, und wenn man mal auf Wildschweine geschossen hat, dann hat man auch kein Problem mit einem Zweibeiner."
Auch für jugendliche Schläger zeigt der Naturbursche wenig Verständnis: „Wenn ich lese, daß in der S-Bahn Leute totgeschlagen werden, dann möchte ich am liebsten am nächsten Tag S-Bahn fahren, bis mir hoffentlich drei, vier von diesen Idioten begegnen, die dann mal eine richtige Tracht Prügel kriegen. Man müßte mal einen Film machen, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Der müßte so brutal sein, daß diesen Leuten jede Lust vergeht, sich an Wehrlosen zu vergreifen."
Seinen Hang zum Zupacken verriet Hehn auch bei seinem ersten Dreh in der neuen Kapitänsuniform: Der FAZ erzählte er begeistert, daß in der piratenverseuchten Straße von Hormus GSG-Beamte an Bord der MS Deutschland gekommen seien, „mit Spezial¬Maschinengewehren, die auf zwei Kilometer genau treffen". Er habe vor dem Schlafengehen den „Jungs" einen Besuch abgestattet und ihnen erklärt:
"Wenn ihr heute Nacht jemanden braucht, der eine Wumme bedienen kann, klopft bei mir. Ich schlaf in Kabine 418. Ich bin Jäger, ich kann schießen." Umso skurriler, daß das ZDF-Drehbuch in der ersten Traumschiff-Folge Kapitän Burgers (Sascha Hehn) Wechsel von der Frachtschiffahrt ins Kreuzfahrermetier mit einem Piratenvorfall begründet, bei dem ein Pirat erschossen wurde. Den neuen Traumschiff-Kapitän hatte das so stark traumatisiert, daß er fortan nur noch im Touristikfach Schiffe steuern will...
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[ Editiert von Administrator lokisforum am 29.05.14 20:11 ]
[ Editiert von Administrator lokisforum am 29.05.14 23:32 ]